Eine Freundin

Wenn ihr das jemals drohen sollte, ginge sie lieber putzen. Schließlich fragte sie ernst: „Warum bleibst du bei ihm?“

Susanne schlug die Hände vors Gesicht, sie brachte kein Wort heraus.

 

Manuela nahm sie in die Arme und strich ihr sanft über den Rücken.

...

Wider Erwarten begannen zwei schöne Wochen für Susanne und ihre Söhne, denn der Ehemann und Vater ließ sich die nächste Zeit bei seiner Familie nur noch morgens zum Duschen und Kleiderwechsel sehen, gab keinerlei Erklärungen ab und verschwand wieder.

Susanne konnte ihr Glück kaum fassen. Sie verbrachte jeden Tag mit Manuela und erlebte seit langer Zeit einmal wieder Frohsinn und Daseinsfreude. Ihre Jungs waren oft bei den Unternehmungen dabei und staunten über ihre fröhliche und ausgelassene Mutter. Wenn trübe Gedanken Susannes Gesicht verdunkelten, rief Manuela: „Susanne, wirf den Mist in eine Schublade und donner sie zu!“ Susanne lachte dann übermütig, während sie eine Handbewegung vollführte, die der Lade einen herzhaften Stoß versetzte.

Diesen Tag hatten sie zu viert einen schönen, aber anstrengenden Ausflug nach Basel unternommen und waren erst sehr spät zurück nach Friedrichshafen gekommen, mit brennenden Füßen und dem Kopf voller Eindrücke. Manuela war nicht kleinzukriegen und ging noch bummeln, aber Susanne und ihre beiden Großen machten es sich mit einem kühlen Bier im Ferienhaus gemütlich. Das Leben war so beglückend und unkompliziert, wenn – ja wenn. Warum konnte es nicht so bleiben?

 

Falk hatte seine Mutter beobachtet und ahnte, was in ihr vorging. Vielleicht könnten sie doch ihr Leben ändern, es in die eigenen Hände nehmen. „Mama, es war so schön, die Zeit mit Manuela – und ohne …“ Das Wort ‚Vater‘ bekam er nicht über die Lippen. „Das können wir doch immer haben! Wir brauchen ihn nicht, wir kommen viel besser ohne ihn zurecht.“

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