Keysers Sekretärin

„Ja, Herr Keyser.“

„Jetzt kommen Sie endlich näher, ich habe keine Lust zu schreien.“

Sie machte drei kurze Schritte Richtung Schreibtisch und blieb dort mit ausdrucksloser Miene stehen.

„Irgendwelche Informationen, die ich wissen muss?“, fragte er, während er auf dem Bildschirm herumklickte.

„Ja“, sagte sie und sah auf ihre Notizen. „Die avisierte Referendarin tritt die Stelle nicht an, Gründe wurden nicht genannt. Stattdessen wird uns eine Beate Klaaßen von der Uni Oldenburg zugewiesen, ihre Beurteilungen sind gut. Herr Lempel hat eine Krankschreibung geschickt, er wird mindestens bis zum Herbst ausfallen.“

„Hat wohl wieder psychische Probleme, der Jammerlappen“, zischte Keyser verächtlich.

Frau Bauer ignorierte die Aussage und sprach weiter. „Die Schülerzahlen liegen vor, wir können drei fünfte Klassen einrichten.“

Keyser nickte kurz. „Wieso ist der Konrektor nicht da?“, schoss er seine nächste Frage ab.

„Herr Roose hat angerufen; er kommt gegen halb neun, er muss seine Tochter in den Kindergarten bringen.“

Keyser verdrehte die Augen. „Und seine Frau schläft aus, was?“, zischte er abfällig.

Frau Bauer verzog keine Miene.

„Sonst noch was?“

„Nein, Herr Keyser.“

„Sie können gehen.“ Er wedelte ungeduldig mit der Hand, als wollte er ein lästiges Insekt verscheuchen.

Sie drehte sich um und verließ aufatmend den Raum. Kaum saß sie an ihrem Schreibtisch, meldete Keyser sich erneut über die Sprechanlage: „Kaffee!“

 

„Ja“, antwortete sie tonlos und ließ sich entnervt in ihrem Stuhl zurückfallen. Dieser fürchterliche Mann! Unvorstellbar, dass sie sich von ihm einmal hatte bezirzen lassen. Dafür hasste sie sich. Ihn noch mehr. Sie stand auf, setzte die Kaffeemaschine mit zitternden Fingern in Gang und dachte: „Ich muss hier weg, sonst tu ich ihm irgendwann Gift in sein Getränk.“

...

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