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Auf der Flucht

Mario hatte inzwischen die Autobahn erreicht und trat aufs Gaspedal. Ilona blieb die Luft weg. „Mann, bin ich im Flugzeug?“

„Sonderausstattung. Über 400 PS“, verkündete Kevin. „Ich heiße jetzt übrigens Karl Kramer.“

Sie lachte. „Karl, toller Name.“

Die erste Baustelle. Kein Verkehr, in dieser Gegend ist die Nacht noch zum Schlafen da. Mario fegte den abgeteilten Streifen entlang.

In Nullkommanichts waren sie auf der hohen Autobahnbrücke über die Hunte bei Oldenburg. Als Kind hatte sie ihren Vater gefragt, warum da oben sechs rot-weiß-gestreifte Socken hängen, und er hatte herzlich gelacht. „Das sind Windsäcke“, hatte er erklärt, „die zeigen, woher der Wind weht und wie stark er ist. Ist sehr wichtig für LKWs und so.“ Bei ihnen hieß die Brücke seitdem Sechs-Socken-Brücke. Sie schmunzelte.

Bei ihren Eltern war sie lange nicht mehr gewesen, dachte sie. Aber die hatten sich von Fuchs einwickeln lassen und sie mit Ermahnungen überhäuft. Sie sollte dankbar sein, so einen guten Mann bekommen zu haben.

Gut! Dass sie nicht lachte. Umbringen wollte er sie.

Na ja, er hatte seine Strafe weg.

Irgendwann würde sie ihre Eltern anrufen.

Sie fuhren jetzt auf der A1 Richtung Osnabrück. Die Welt draußen sauste an ihnen vorbei, soweit man bei der Dunkelheit etwas sehen konnte. Das gleichmäßige Tempo machte sie schläfrig. Ihr Kopf sackte nach vorne und die Augen fielen ihr zu.

Sie träumte von einer Autofahrt. Es war schön, sie machten einen Ausflug, Kevin und sie. Er fuhr immer schneller. Das machte Spaß, sie lachten. Jemand versuchte, sie anzuhalten, aber sie flitzten vorbei. Nun wurde es eine wilde Autojagd, mit Verfolgung und Polizeisirenen. Das heulende Geräusch wurde immer lauter. Nervig, so ein Traum. Und dazu diese Beschleunigung, unangenehm im Magen …

Sie riss die Augen auf.

Die Sirenen waren echt!

„Kevin! Was ist los?“

 

„Keine Angst, die kriegen uns nicht!“

...

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