Keyser berät eine Referendarin

  „Ihnen ist wohl klar, dass Sie für den Lehrerberuf völlig ungeeignet sind, Frau Klaaßen. Schule ist kein Ponyhof, wie es so schön heißt.“ Verächtlich zog er die Mundwinkel herunter. „Aber Sie würden ja nicht einmal mit niedlichen Ponys fertig werden.“

Beate verlor alle Spannkraft. Tränen tropften auf ihre Hände im Schoß. Ihr Lebenstraum löste sich auf. Wie war es nur so weit gekommen? An der Universität hatte sie doch gute Leistungen erbracht, sie war erfolgreich gewesen in den Praktika, die Kinder hatten sie gemocht und akzeptiert, die Arbeit hatte ihr Freude bereitet. Das war doch nicht alles falsch gewesen. Aber dieser Schulleiter, dieser Herr Keyser, hat ihr von Anfang an jeden Mut genommen, alles schlecht gemacht, jeden Fehler zum Drama erhoben, überhaupt nur Fehler gesehen. Sie war zu einem erbärmlichen Häufchen Nichts geworden. 

...

„Aber was soll ich denn machen?“, hauchte sie.

Jetzt war sie wohl so weit, dass er ein letztes Vergnügen an ihr haben konnte. „Eine Möglichkeit sehe ich“, sagte er gönnerhaft.

Sie suchte seinen Blick. War doch nicht alles verloren? „Ja?“

„Wenn Sie ein bisschen nett zu mir sind …“ Er zog die Mundwinkel leicht nach oben und sah ganz verändert aus, fast freundlich.

„Wie …?“

Mein Gott, nicht einmal das kapierte sie. „Frau Klaaßen, das zeig ich Ihnen, wenn Sie heute Abend um halb neun hierherkommen.“

 

Röte schoss ihr ins Gesicht. Sie hatte verstanden.

...

 

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