Verzockt

Verzockt · 12. Mai 2018
„Wohin fahren wir überhaupt?“ „Brüssel. Ich habe den ersten Flug nach London gebucht.“ Er kramte etwas aus seiner Tasche und reichte es ihr. „Dein neuer Pass. Ingrid Feldmann.“ Ein neues Handy hatte er auch für sie, seine aktuelle Nummer war eingespeichert. Das alte zerlegte er, zerstörte die Teile und die SIM-Karte und warf alles nach und nach aus dem Fenster. Auf der Flucht verliert korrekte Müllentsorgung ihre Bedeutung.
Verzockt · 28. April 2018
„Na, Süße, Liebeskummer?“ Sie reagierte nicht. „Wer wird denn so bockig sein?“ Eine große Hand legte sich schwer auf ihre Schulter. Wie angestochen schoss sie hoch. „Nimm deine Pfoten weg!“, schrie sie. „Komm, sei doch nicht so. Ich tröste dich.“ Damit setzte sich der Typ an den Tisch und zog sie wieder herunter auf ihren Stuhl. Jetzt legte er auch noch den Arm um sie und drückte sie fest an sich. „Hilfe!“, kreischte Ilona. Er hielt ihr den Mund zu. „Nicht doch, Süße.“
Verzockt · 28. April 2018
„Gehen Sie zurück hinter die Absperrung!“, befahl der eine Polizist. „Sie behindern die Arbeit.“ Zwei Männer bewegten sich langsam ein paar Schritte zurück. „Weiter“, sagte der Polizist, das Band ein wenig in die Höhe hebend. Maulend bequemten sie sich, der Aufforderung zu folgen. Der Dritte hatte sich taub gestellt. „Das gilt auch für Sie!“ Voller Erstaunen guckte er die Polizisten an. „Ich? Ich tu doch gar nichts.“ „Kommen Sie raus aus dem Gefahrenbereich!“ „Sie stehen doch auch da.“
Verzockt · 28. April 2018
"Mein Vater ist gar nicht da", sagte Jonas verlegen. „Frag ihn doch, ob es ihm recht ist, wenn wir das Haus mit zehn Polizisten umstellen.“ Jonas machte große Augen. „Hat er was Böses getan?“ „Das wollen wir ihn fragen“, antwortete Nora. Jonas drehte sich um, vergaß, die Tür zu schließen, rannte den Flur entlang und eine Treppe hoch. „Papa, die wollen ganz viele Polizisten holen!“, rief er. „Willst du das?“
Verzockt · 28. April 2018
Frau Zweikorn war begeistert. Um zehn Uhr vormittags saß sie einem toll aussehenden Hauptkommissar gegenüber. Herr Kron hieß er, und er hatte so ein charmantes Lächeln, wie ein Filmstar. Wie gut, dass ich gestern beim Frisör war, schoss ihr durch den Kopf. Leider konnte sie nichts Aufregendes berichten. Wenn sie bei Familie Fuchs eintraf, war Dr. Fuchs meistens schon weggefahren, und Frau Fuchs gab ihr nur ein paar Aufträge außer dem Üblichen, und verließ danach ebenfalls das Haus.
Verzockt · 28. April 2018
Nun brauchte Frau Zweikorn unbedingt ein Gläschen zur Beruhigung. Mit zitternden Fingern öffnete sie eine Tür im Küchenschrank, griff die Flasche Kirschlikör – der half immer – sowie ein Glas. Noch im Stehen schenkte sie sich etwas ein und trank. Dann setzte sie sich an den Küchentisch, Flasche und Glas in Reichweite. Langsam entspannte sie sich. Nach einem weiteren Likör stand ihr Entschluss fest. Beherzt griff sie das Telefon und tippte 1-1-0. Halt, stopp. Sie brauchte die Mordkommission!
Verzockt · 24. April 2018
„Torsten, du musst zur Polizei“, wisperte seine Freundin. Schon wieder Polizei! Herr Lobeck murmelte undeutlich eine Antwort, Frau Zweikorn verstand nur Fuchs, wieder lebendig. Dann verschwanden beide in seiner Wohnung. Frau Zweikorn war hellwach. Fuchs? Hatten sie einen Fuchs überfahren? Oder …? Sie schlug die Hand vor den Mund. Ging es etwa um Dr. Fuchs? Oh Gott! Der nette Herr Lobeck? Schnell schloss sie die Tür ab und legte die Kette vor. Sie musste die Polizei anrufen, sofort!
Verzockt · 24. April 2018
Frau Zweikorn langweilte sich. Ihr fehlte die Arbeit bei Familie Fuchs. Die Stunden dort hatten den Tag immer so schön gefüllt, so dass sie hinterher einen ruhigen Nachmittag vor dem Fernseher voll und ganz genießen konnte. Und jetzt? Den Morgen hatte sie in der Stadt vertrödelt und danach war sie noch auf dem Friedhof gewesen. Aber irgendwie machte das alles keinen Spaß. Hoffentlich fand sie bald eine neue Stelle. Ob man Frau Fuchs inzwischen gefunden hatte?
Verzockt · 24. April 2018
Drinnen griff Backe Noras Hand, um die ganze Frau an sich zu ziehen und mit seinen Armen zu umfangen. „Nora, ich finde dich toll“, flüsterte er ihr ins Ohr. „Ich dich auch“, wisperte sie zurück. Aneinander geschmiegt, Wange an Wange standen sie in dem fremden Haus, spürten einander, die Haut, den Atem, den Herzschlag, den Duft. Zum Glück raucht er nicht, dachte sie, den Geruch konnte sie überhaupt nicht leiden. Telefon. Sie seufzten, lösten sich voneinander, sahen einander an und lächelten.
Verzockt · 21. April 2018
„Sorry“, brachte Ilona noch heraus, bevor ihre Blicke ineinander versanken. Die Welt um sie herum war vergessen. Seitdem verbrachte Ilona jedes Wochenende bei Kevin in Hamburg. Wunderbare Wochenenden erlebten sie miteinander, so dass bald für beide keinen Zweifel gab: Sie waren füreinander bestimmt. Die ständigen Trennungen wurden unerträglich, sie wollten zusammenbleiben, für immer und ewig. Kurz dachte Ilona an Scheidung – doch nein, unmöglich. Fuchs würde sie mit einem Almosen abspeisen ...

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