Makabre Spiele - Eine Satire

 

 Öffentliche Hinrichtungen?

Als Fernsehshow?

Unmöglich!

Unmöglich? Wirklich?

Wenn die Kasse klingelt, scheint nichts unmöglich. Und es dient doch der Gerechtigkeit!

Familie Kögler jedenfalls ist begeistert, und Frau Kögler träumt davon, dass ihr Mann einmal bei so einer Show im Rampenlicht steht.

Bei der nächsten Gerechtigkeitsshow im Fernsehen ergreift sie die Gelegenheit, ihren Mann als Gast anzumelden.

Hoffentlich geht alles gut, für Herrn Kögler …

 

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Leseprobe

...

Samstagabend.

Familie Kögler hat es sich auf dem Sofa vor dem Fernseher gemütlich gemacht: Herr Kögler mit einem gut gekühlten Bier, Frau Kögler mit einem süßen Wein und Desiree, zwischen den beiden, mit einem Glas Cola, die Flasche in Reichweite.

„Trink nicht so hastig!“, ermahnt Frau Kögler ihre Tochter, als Desiree das Glas hebt. Desiree trinkt und schafft es, das Glas ohne abzusetzen zu leeren. Mit einem triumphierenden Blick stellt sie es auf den Tisch zurück und greift in die Schale mit den Chips.

„Krümel nicht“, sagt ihre Mutter, die Augen auf den Bildschirm gerichtet.

Desiree kuschelt sich an ihren Vater, und krachend zermalmen ihre Zähne, was ihre Hände in den Mund schieben.

„Rülps!“

„Desiree!“

Desiree wirft einen verstohlenen Blick auf ihren Vater. Ein Grinsen spielt um seine Mundwinkel. Desiree wischt ihre Hände in dem Kissen an ihrer Seite ab.

„Gießt du mir noch Cola ein, Papa?“

„Ich finde, sie hat genug“, sagt Frau Kögler zum Fernseher. Der Wetterbericht ist vorbei, die große Show soll gleich beginnen.

„Ich hab Durst, Papa!“

Herr Kögler streicht Desiree über den Kopf, ergreift die Colaflasche und füllt ihr Glas.

„Danke, Papa, du bist der Beste!“ Aus den Augenwinkeln beobachtet Desiree ihre Mutter. Schade! Die hat gar nichts bemerkt. Es läuft schon die Erkennungsmelodie.

Das Bild erscheint. Der Zuschauerraum. Menschen. Tausende!

„Ach, wie gern würde ich auch einmal dort sitzen“, seufzt Frau Kögler.

Jetzt sieht man die schwach erleuchtete Bühne, man hört Husten und das Geräusch vieler menschlicher Stimmen. Plötzlich flammen die Scheinwerfer hell auf und strahlen die große Treppe an. Noch ist niemand zu sehen. Da, die Musik setzt aus! Der Showmaster steht plötzlich ganz oben. Beifall brandet auf, Jubelrufe, Kreischen.

Frau Kögler kann nicht mehr an sich halten. Sie klatscht und schreit, ihr Gesicht ist hochrot.

Langsam setzt sich der Showmaster in Bewegung, schreitet gemessen die leicht geschwungene Treppe hinab und tritt vor bis zum Bühnenrand. Dort verharrt er und lässt seinen Blick über die Zuschauerreihen gleiten.

Der Beifall wird noch stärker und ebbt nur langsam ab. Totenstille. Der Showmaster verzieht keine Miene, macht keine Verbeugung. Er steht unbeweglich. Atemlose Spannung herrscht im Saal.

Plötzlich stößt er seine rechte Faust nach oben in die Luft und ruft: „Auf die Gerechtigkeit!“

„Auf die Gerechtigkeit!“ Tausende Stimmen dröhnen wie ein Orkan durch den Saal „Auf die Gerechtigkeit! Auf die Gerechtigkeit!“

Auch im Wohnzimmer von Familie Kögler wird gerufen. Aus voller Kehle von Frau Kögler, piepsig kreischend von Desiree; Herr Kögler stößt nur ein Brummen hervor.

...